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CERF – Jeder ist schön!



Der belgische Fotograf CERF studierte in seiner Jugend Theater, bildende Kunst und Gesang. Im Herzen ein Porträtist, begann er sein Handwerk damit, die Menschen um ihn herum zu fotografieren, insbesondere Kinder, deren aufrichtige Art ihn inspirierte. Mit der Unterstützung seines Mannes veröffentlichte er 2012 seine ersten Fotos in verschiedenen sozialen Netzwerken. Sein Focus liegt heute bei der digitalen Fotografie.


BOX sprach mit CERF über sein Werk.


BOX : Wo bist du geboren und aufgewachsen?


CERF: Geboren bin ich in Brüssel und aufgewachsen in Belgien. Daher spreche ich Französisch, English und Flämisch.


BOX: Wo wohnst du?


CERF: Jetzt lebe in Hannut, das liegt etwa 50 Kilometer von Brüssel entfernt in Wallonien.


BOX: Du hast mir erzählt, dass du in den 80ern in Montreal gelebt hast, wie kam es dazu?


CERF: Ja, das ist richtig. Ich bin vor den ganzen Ereignissen geflohen, die sich damals abgespielt haben. Viele meiner Freunde habe ich damals an HIV verloren, das war zu viel für mich. Ich brauchte Abstand und so bin dorthin und habe auch begonnen zu fotografieren. Alle in meiner Familie hatten eine Kamera, so habe ich einen Weg gefunden, mich auszudrücken.


BOX: Arbeitest du als Fotograf?


CERF: Ich arbeite als professioneller Fotograf im Bereich People und Natur.


BOX: Warum hast du dich für diesen Beruf entschieden?


CERF: Professionelle Fotografie ist meine Leidenschaft. Ich habe noch die klassische analoge Schaffensweise gelernt, fühle mich aber jetzt in der digitalen Fotografie zu Hause. Dabei ist es mir wichtig, dass meine Bilder bereits beim Shooting das gewünschte Setting und Licht erhalten, damit ich anschließend so wenig wie möglich nachbearbeiten muss. Meine Aufnahmen sollen echt aussehen und den Augenblick und die Spontanität des Moments mit dem Motiv für den Betrachter nicht verlieren.


Es geht mir bei der Fotografie darum, mit dem Model eine innige und behagliche Atmosphäre zu schaffen, um den richtigen Moment für ein spannendes und einzigartiges Ergebnis zu erzielen.


BOX: Du hast mehrere Bildbände veröffentlicht. Wie wählst du deine Modelle aus?


CERF: Bei der Auswahl der Motive für einen Bildband steht mir mein Sohn beiseite. Er wählt dabei die Serien aus, die final dann in meinen Werken zu sehen sind, da bin ich oft zu emotional und nicht objektiv genug.


Mein erstes Buch mit dem nüchternen Titel „Men of Cerf – Band 1“ erschien im Oktober 2018, der zweite Band 2 im November 2019. Im Dezember 2023 „Men of Cerf – Band 3“.


BOX: Waren Porträts schon immer dein Hauptaugenmerk oder was ist dein fotografischer Schwerpunkt?


CERF: Ich fotografiere gerne Menschen, dabei spielt das Geschlecht nicht die entscheidende Rolle.Der Focus meiner Arbeit sind die Augen des Gegenübers – Die Augen sind etwas Besonderes – Ich brauche ein Gesicht – und ich muss etwas fühlen, wenn ich in das Gesicht schaue – wenn dann der Body toll ist, finde ich das sehr schön, ist aber eher zweitrangig, denn das ist nicht der Focus. Es muss Leben in dem Gegenüber sein.

Dabei bemühe ich mich, die Rolle des Beobachters zu übernehmen, um das Beste aus meinem Gegenüber herauszuholen, ohne Druck mit viel Vertrauen und gegenseitigem Respekt.




 

BOX: Auf deiner Seite finden wir nicht die typischen „netten Boys“, sondern eher reife Männer und Männerpaare. Ist das mehr als eine persönliche Präferenz?


CERF: „Nice boys“ sind überall – jeder ist schön – du kannst nicht für alle schön sein, also dann scheine – aber es ist der Weg, wie ich den Menschen darstelle mit meiner Kamera– Als Ziel möchte ich, dass das Model glücklich ist mit dem Shooting und dabei spielen Köpermaße oder Alter keine Rolle. Ich habe bei meinen Shootings Paare von 34 bis 74 gehabt, warum auch nicht.


Bei meinen Shootings geht es immer um die Beziehung der Personen zueinander, dabei ist Zärtlichkeit der Schlüssel für die Komposition und den Ausdruck im Bild.

Ich habe bei einem Shooting mit zwei hetero-Männern sie motiviert, eine Verbindung miteinander herzustellen, dabei haben sie sich liebevoll angefasst. Das war ganz toll für mich zu sehen. Ich habe sie nicht darum gebeten, das passierte bei dem Shooting ganz von alleine.


Das war toll, es ist der Moment und der Spaß und die Spontanität, die solche Intimität auf meinen Bildern ausdrückt und das möchte ich gerne bei dem Betrachter rüberbringen. Nacktheit spielt hier nicht die übergeordnete Rolle, sondern es gibt vielmehr den Menschen die Möglichkeit, sich völlig natürlich und frei zu zeigen und zu bewegen. Das schafft den besonderen Moment in meinen Bildern.


BOX: Siehst du hier den Fokus als eine Nische innerhalb des LGBT-Mainstreams oder glaubst du, dass sie weitaus repräsentativer sind für den „typischen schwulen Mann“ und das, was er sucht?


CERF: Manchmal höre ich das, aber das sehe ich nicht so. Ich liebe es, zwischen den Zeilen zu hören. Es stellt sich mir auch die Frage danach, was ein typischer schwuler Mann heutzutage ist.


Ich mag keine Stereotypen. Ich mag jede Art von unterschiedlichen Typen, egal ob Mann oder Frau. Es ist auch nicht so, dass ich nur Männer fotografiere. Ich habe erst kürzlich ein Shooting mit Babys gehabt.


Ich schaue nach jeglicher Art von Schönheit, unabhängig von Geschlecht und Alter. Schönheit liegt im Auge des Betrachters und bedarf daher keiner Einteilung in Kategorien.


BOX: Wie findest du deine Modelle für die Shootings?

Da ich generell mit Amateurmodellen arbeite, frage ich oft in meinem Bekannten- oder Freundeskreis nach oder spreche einfach Menschen auf der Straße, im Café oder im Restaurant an.


Das funktioniert sehr gut. Ich lade sie ein, meine Arbeiten auf meiner Website zu besuchen und drücke ihnen meine Visitenkarte in die Hand. Gelegentlich schreibe ich auch Männer auf Dating-Portalen an, da habe ich zumeist ein positives Feedback erhalten. Ich spreche die Leute ja immer professionell und diskret an, das kommt sehr gut an.


BOX: Wie können sich Interessenten bei dir melden und gibt es da besondere Anforderungen?


CERF: Meine Community folgt mir in der Regel online und ich habe hier noch meine Kontaktadresse, wo man eine große Auswahl meiner Motive und Bilder sehen kann. Ich bemühe mich jedenfalls, immer und zeitnah zu antworten.


Die Plattformen sind für jedermann zugänglich, auf


BOX: Ich bedanke mich für deine Zeit und das interessante Gespräch über dich und deine Arbeit als Fotograf.


Bilder: CERF – mehr über CERF und viele seiner Fotos findet ihr auf cerfphotography.com

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